Lüpertz, Markus / Skowron, Stefan
Lüpertz - Grafische Arbeiten und Plastik
Booklet - Begleitheft zur Ausstellung Kunstverein Krefeld 2026
Bestell-Nr 0319
ISBN 978-3-87448-606-4
erschienen 06.05.2026
Rubrik Kunst und Kultur
Umfang 24 Seiten
Maße 14,8 x 21,0 cm
Gewicht 77 g
Einband Broschur geklammert
Preis 10,00 inkl. 7% MwSt
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VORBEMERKUNG
Giorgio Vasari meinte: „Die Zeichnung ist die Mutter aller Kunstgattungen.“1 Das mag zuvorderst für die Entwicklungsgeschichte der Kunst richtig sein. Es stimmt allerdings auch für das Wesen der Künste. Punkt und Linie, die Konstanten der Zeichnung, bestimmen ebenso die Malerei wie die Grafik und, in ihrer dreidimensionalen Übersetzung, auch die Architektur und die Bildhauerei.
Als Grafiker muss man vor allem eines sein, Zeichner. Weil die Linie dem Zeichner gehört und sie zugleich das einzig sinnvolle rhetorische Mittel in der Grafik ist. Man muss die Linie beherrschen, sie richtig einsetzen können, um zugleich Räume und Körper, Licht und Weite, Schatten und Nähe zu realisieren. Nicht umsonst trennt die tradierte Kunstbetrachtung das Grafische nicht vom Zeichnerischen, sondern eint es.
Markus Lüpertz ist ein begnadeter Zeichner. Doch wenngleich bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht bereits 400 grafische Arbeiten entstanden waren, war der Künstler noch im Frühjahr 2015 der Meinung, er habe die zu ihm passende grafische Technik längst nicht gefunden.2 Tatsächlich scheint sich erst mit der Suite „Tosca“ (s.S. 4/5) endgültig geklärt zu haben, dass es die Lithographie sein muss, die schließlich als die unmittelbarste, als die schnellstezeichnerische
unter all den grafischen Künsten gilt, die dem Zeichner MarkusLüpertz
am ehesten zupasskommt. Mit ihr wird aus dem Zeichner Markus
Lüpertz ein Grafiker, der seine Technik gefunden hat. Lithographische Suiten wie die in diesem Booklet beschriebenen beweisen das.
© Stefan Skowron

1 Zitiert nach: Diether Schmidt, Michelangelo Handzeichnungen, Insel Verlag Leipzig 1975, S. 63.
2 Markus Lüpertz sagte das 2015 in einem Gespräch in Anwesenheit des Autors in seinem damaligen Atelier in Düsseldorf, während er einen eigens für ihn angefertigten Stichel für Radierungen ausprobierte, mit verlängertem Schaft. Auch damit sei es letztlich schwierig, einen klaren Kreis zu schlagen, die schnelle – und sichere – Geste zu fixieren, so der Künstler.

Markus Lüpertz - BIOGRAFIE (Auszug)

1941, am 25. April in Liberec, Böhmen, geboren. 1948 Flucht der Familie nach Rheydt/Rheinland. 1956–1961 Studium an der Werkkunstschule Krefeld bei Laurens Goosens; Aufenthalt im Kloster Maria Laach; einjährige Arbeit im Kohlebergbau unter Tage; Studien in Krefeld und an der Kunstakademie Düsseldorf; Arbeit im Straßenbau; Aufenthalt in Paris. Seit 1961 freischaffender Künstler. 1962 Übersiedlung nach Berlin; Beginn der „dithyrambischen Malerei“. 1963 Beginn der „Donald Duck“-Serie. 1964 Eröffnung der Galerie Großgörschen 35 in Berlin, Ausstellung: „Dithyrambische Malerei“. 1970 Preis der Villa Romana, einjähriger Aufenthalt in Florenz; Beginn der „Deutschen Motive“. 1976–1987 Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe. 1977 Beginn der „Stil-Bilder“; Rücktritt von der documenta 6, Kassel. 1982 documenta 7; Bühnenbild zur Oper „Vincent“ von Rainer Kunad, Staatstheater Kassel. 1984 Aufenthalt in New York. Ab 1986 Professur an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, 1988–2009 Rektor. 1989/90 Kirchenfensterentwürfe für die Kathedrale von Nevers. 1990 Lovis-Corinth-Preis, Künstlergilde Esslingen. 1991 „Retrospektive 1963 bis 1990“, Museo Nacional, Centro de Arte Reina Sofía, Madrid. 1993 Beginn der Serie „Männer ohne Frauen – Parsifal“. 2001 Wandbild „Die sechs Tugenden“ und Skulptur „Die Philosophin“, Bundeskanzleramt, Berlin. 2004 IV. International Prize „Julio González“. 2005 Skulpturen „Adler“, Bundesgerichtshof Karlsruhe, „Hommage an Mozart“, Salzburg. 2009 „Hauptwege Nebenwege. Eine Retrospektive“, Kunst- und Ausstellungshalle Bonn. 2010 Beginn der Arbeiten an den Kirchenfensterentwürfe für St. Andreas, Köln; Skulptur „Herkules“, Zeche Nordstern, Gelsenkirchen. 2013 Internationaler Mendelssohn-Preis, Leipzig. 2014 Skulptur „Hommage an Beethoven“, Bonn. 2015 „Grand Prix artistique 2015“, Fondation Simone et Cino Del Duca; „Une Rétrospective“, Musée d‘Art Moderne de la Ville de Paris; „Markus Lüpertz / Arnulf Rainer – Bildende Kunst“, Arnulf Rainer Museum, Baden; „Nichts Neues. Die Abstraktion hat noch nicht begonnen“, Bode-Museum, Berlin. 2016 Skulpturen „Das Echo des Poseidon“, Duisburger Hafen, Mercatorinsel; Ehrenbürgerschaft der Stadt Liberec (Tschechien). 2017 „Max Klinger / Markus Lüpertz. Zeitgenössische Kunst“, Museum der bildenden Künste, Leipzig; „Threads of History“, Hirshhorn Museum, Washington; „Markus Lüpertz“, The Phillips Collection, Washington. 2018 Bühnenbild und Kostüme zur Oper „Una cosa rara“ von Vicente Martín y Soler, Theater Regensburg; „Markus Lüpertz. Dans l´Atelier“, Musée de la Vie Romantique, Paris; „,Der Tod, der bleiche Freier‘. Gipse“, Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal. 2019 „Über die Kunst zum Bild“, Haus der Kunst München. Seit 2020 Arbeiten an 14 großformatigen Keramikreliefs für die Karlsruher U-Bahn (Übergabe 2023). 2021 Regiedebüt, Bühnenbild und Kostüme zur Oper „La Bohème“ von Giacomo Puccini, Staatstheater Meinungen; „A small, irrational, artist-led retrospective“, Museum für Moderne Kunst MMOMA, Moskau. 2022 Einbau der letzten 2 von 8 Fenster, St. Elisabeth, Bamberg. 2023 Segnung der Glasfenster für St. Ulrich, Regensburg. 2026 Regie, Bühnenbild und Kostüme zur Oper „Das Rheingold“ von Richard Wagner Staatstheater Meiningen; Aufstellung der Großskulptur „Georg II“ in Meiningen.
Markus Lüpertz lebt und arbeitet in Berlin, Düsseldorf und Karlsruhe.