Lüpertz, Markus / Skowron, Stefan
Lüpertz - Naumburger Kirchenfenster
Bestell-Nr 0317
ISBN 978-3-87448-614-9
erschienen 20.10.2026
Rubrik Kunst und Kultur
Umfang 56 Seiten
Maße 14,8 x 26,0 cm
Einband Hardcover mit Fadenheftung
Preis 24,80 € inkl. 7% MwSt
Lieferstatus  
Zum Buch

Grußwort
Der Naumburger Dom zählt zu den europäischen Kathedralen, die einen herausragenden Glasmalereibestand seit dem Hohen Mittelalter aufweisen können und diesen mit Werken der zeitgenössischen Kunst erweitern.

Die ältesten Fenster aus dem 13. Jahrhundert befinden sich im Westchor, der der Gottesmutter Maria geweiht ist. Thematisch zielen die Fenster hier im kongenialen Verbund mit den berühmten Stifterfiguren auf das Fegefeuer und den wiederkehrenden Christus im Jüngsten Gericht. Mit der Erweiterung des den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweihten Ostchores im 14. Jahrhundert stellten sich nachfolgend weitere Aufgaben für die Glasmaler. Wunderschön sind die Fenster im Chorscheitel, das Marienfenster mit seiner faszinierenden Architekturdarstellung und das benachbarte Jungfrauenfenster. Ebenso sind die jüngeren Darstellungen des 15. Jahrhunderts – wie das Christusfenster – und das Symbolfenster von hoher Qualität.

Neuschöpfungen des 19. Jahrhunderts – initiiert durch König Friedrich Wilhelm IV. – erreichten allerdings nicht die Qualität der Vorgänger. Die Fenster waren im Vergleich zu der mittelalterlichen Glasmalerei viel zu hell gestaltet, was einen störenden Lichteinfall zur Folge hatte.

Infolge von Verlusten durch Unwetter, Diebstahl und mutwilliger Beschädigung entbehrten gar zwei großformatige Chorfenster im Norden und im Süden des Chores nahezu vollständig der originalen Buntglasmalerei. Der liturgische Hauptchor des Domes war in Gefahr, seine Würde zu verlieren.

Gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie beriefen die Vereinigten Domstifter eine Jury ein, um die ungenügende Glas- und Lichtsituation nachhaltig zu verbessern. Die Wahl der Jury fiel auf Prof. Markus Lüpertz. Künstler und Auftraggeber einigten sich auf die Themen Erlösung und Verdammnis.

In Angriff genommen wurden die beiden großformatigen Chorfenster im Norden und im Süden sowie zwei deutlich kleinere Fenster ebenfalls im Norden und im Süden. Nach etwas mehr als zwei Jahren wurde das Werk vollendet. Die äußerst prächtige Farbigkeit und die außerordentlich gelungene bildmächtige Szenerie des Kampfes zwischen Erlösung und Verdammnis fesseln den Betrachter. Zweifellos gehören diese Naumburger Fenster zu den besten Arbeiten des Künstlers in Glas.

Ich möchte allen Gewerken, Beteiligten und Mitstreitern von Herzen danken, vor allem aber Markus Lüpertz für seinen Mut, seine Standhaftigkeit, Kreativität und Exzellenz.

Dank der großzügigen Unterstützung der GETEC Stiftung und der Hack Stiftung konnte das Wagnis begonnen und zu einem wunderbaren Abschluss geführt werden.

© Dr. Holger Kunde, August 2026
Stiftsdirektor der Vereinigten Domstifter

Markus Lüpertz - BIOGRAFIE (Auszug)

1941, am 25. April in Liberec, Böhmen, geboren. 1948 Flucht der Familie nach Rheydt/Rheinland. 1956–1961 Studium an der Werkkunstschule Krefeld bei Laurens Goosens; Aufenthalt im Kloster Maria Laach; einjährige Arbeit im Kohlebergbau unter Tage; Studien in Krefeld und an der Kunstakademie Düsseldorf; Arbeit im Straßenbau; Aufenthalt in Paris. Seit 1961 freischaffender Künstler. 1962 Übersiedlung nach Berlin; Beginn der „dithyrambischen Malerei“. 1963 Beginn der „Donald Duck“-Serie. 1964 Eröffnung der Galerie Großgörschen 35 in Berlin, Ausstellung: „Dithyrambische Malerei“. 1970 Preis der Villa Romana, einjähriger Aufenthalt in Florenz; Beginn der „Deutschen Motive“. 1976–1987 Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe. 1977 Beginn der „Stil-Bilder“; Rücktritt von der documenta 6, Kassel. 1982 documenta 7; Bühnenbild zur Oper „Vincent“ von Rainer Kunad, Staatstheater Kassel. 1984 Aufenthalt in New York. Ab 1986 Professur an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, 1988–2009 Rektor. 1989/90 Kirchenfensterentwürfe für die Kathedrale von Nevers. 1990 Lovis-Corinth-Preis, Künstlergilde Esslingen. 1991 „Retrospektive 1963 bis 1990“, Museo Nacional, Centro de Arte Reina Sofía, Madrid. 1993 Beginn der Serie „Männer ohne Frauen – Parsifal“. 2001 Wandbild „Die sechs Tugenden“ und Skulptur „Die Philosophin“, Bundeskanzleramt, Berlin. 2004 IV. International Prize „Julio González“. 2005 Skulpturen „Adler“, Bundesgerichtshof Karlsruhe, „Hommage an Mozart“, Salzburg. 2009 „Hauptwege Nebenwege. Eine Retrospektive“, Kunst- und Ausstellungshalle Bonn. 2010 Beginn der Arbeiten an den Kirchenfensterentwürfe für St. Andreas, Köln; Skulptur „Herkules“, Zeche Nordstern, Gelsenkirchen. 2013 Internationaler Mendelssohn-Preis, Leipzig. 2014 Skulptur „Hommage an Beethoven“, Bonn. 2015 „Grand Prix artistique 2015“, Fondation Simone et Cino Del Duca; „Une Rétrospective“, Musée d‘Art Moderne de la Ville de Paris; „Markus Lüpertz / Arnulf Rainer – Bildende Kunst“, Arnulf Rainer Museum, Baden; „Nichts Neues. Die Abstraktion hat noch nicht begonnen“, Bode-Museum, Berlin. 2016 Skulpturen „Das Echo des Poseidon“, Duisburger Hafen, Mercatorinsel; Ehrenbürgerschaft der Stadt Liberec (Tschechien). 2017 „Max Klinger / Markus Lüpertz. Zeitgenössische Kunst“, Museum der bildenden Künste, Leipzig; „Threads of History“, Hirshhorn Museum, Washington; „Markus Lüpertz“, The Phillips Collection, Washington. 2018 Bühnenbild und Kostüme zur Oper „Una cosa rara“ von Vicente Martín y Soler, Theater Regensburg; „Markus Lüpertz. Dans l´Atelier“, Musée de la Vie Romantique, Paris; „,Der Tod, der bleiche Freier‘. Gipse“, Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal. 2019 „Über die Kunst zum Bild“, Haus der Kunst München. Seit 2020 Arbeiten an 14 großformatigen Keramikreliefs für die Karlsruher U-Bahn (Übergabe 2023). 2021 Regiedebüt, Bühnenbild und Kostüme zur Oper „La Bohème“ von Giacomo Puccini, Staatstheater Meinungen; „A small, irrational, artist-led retrospective“, Museum für Moderne Kunst MMOMA, Moskau. 2022 Einbau der letzten 2 von 8 Fenster, St. Elisabeth, Bamberg. 2023 Segnung der Glasfenster für St. Ulrich, Regensburg. 2026 Regie, Bühnenbild und Kostüme zur Oper „Das Rheingold“ von Richard Wagner Staatstheater Meiningen; Aufstellung der Großskulptur „Georg II“ in Meiningen.
Markus Lüpertz lebt und arbeitet in Berlin, Düsseldorf und Karlsruhe.