Boehm, Marion / Dr. Wolfgang Becker / Markus Mecher
ARTCO Kunstagentur
Marion Boehm - Reflections - Künstlermonografie
Bestell-Nr 0616
ISBN 978-3-87448-494-7
erschienen 01.01.2018
Rubrik Kunst und Kultur
Umfang 134 Seiten
Maße 20,0 x 25,0 cm
Gewicht 700 g
Einband Hardcover mit Klebebindung
Preis 32,00 inkl. 7% MwSt
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Das Buch ist in englischer und französischer Sprache erschienen

Übersetzung des Vorwortes:

Black Paris. La Negritude

Im Laufe des letzten Jahrtausends sind Afrika, Afro-Amerika und Europa so eng miteinander verbunden, wie die Bevölkerungen dieser Kontinente gewachsen sind. Die Eintragung einzelner schwarzer Figuren auf der europäischen Bühne ist jetzt vielleicht eine verblassende Erinnerung: Eurybates, der Herold von Odysseus; St. Mauritius (in Magdeburger Dom); Othello, Shakespeares venezianischer Admiral; Juan de Pareja, der Freund von Velazquez; Abraham Petrowitsch Hannibal, Sohn eines Entriean-Prinzen, eines Urgroßvaters von Alexander Puschkin, der Gouverneur von Reval wurde; und angelo Soliman, Erzieher des Erben des Fürsten von Liechtenstein im Wien von Maria Theresia. Seit dem 19. Jahrhundert füllt sich der Atlas von Mnemosyne.

Als Drehscheibe in diesem dreikontinentalen Netzwerk ist Paris heute der strahlende Kristall der afrikanischen Kultur. In Paris entwickelte Léopold Sedar Senghor in der Mitte des letzten Jahrhunderts zusammen mit Aimée Césaire das Gefühl der Negritualität; Sie und andere ebneten den Weg für die neuen autonomen Staaten Afrikas und schrieben ihre Manifeste mit den Editionen du Seuil als ihrem Pariser Verleger. Unzählige Studenten sind in ihre Fußstapfen getreten, um an den Pariser Universitäten zu studieren, wo heute die intellektuellen Eliten der frankophonen Afican-Länder ausgebildet werden. Die Museen von Paris sind die Hüter der Filme der Ethnologen, die die Theologien der afrikanischen Völker dokumentieren, eine Heimat der unersetzlichen Dokumente und Kunstwerke, die Sammler und Eroberer zu Kunstschätzen zusammentrugen. Ausstellungshallen, Galerien, Theater und Konzertsäle zeigen Afrika und Afro-Amerika und zeigen die Bilder dieser Kulturen, die schillernden Farben ihrer Kostüme, ihre Trommeln, ihre Tänze und ihre Lieder. Paris war und ist immer noch ihr Zufluchtsort, Freiheit und kulturelle Selbstverwirklichung.

Negerbälle, die Revue Nègre und Josephine Baker in den 1920er Jahren, das 1949 International Jazz Festival und der legendäre Sidney Bechet speisen eine Retrospektive, die die Realitäten der neuen Einwanderungswellen und die kulturellen Probleme des Pariser Vorortes in den Hintergrund rückt. Neue, aggressive Elemente in der Slam Poetry, im Rap, im Dance und einem neuen Schmelztiegel-Phantasma: "black, blanc, beur" (schwarz, weiß, arabisch). Die dadaistische Euphorie, die vor 100 Jahren herrschte, wird abgelöst von einem Spektrum von Wut und Rebellion, von den Kolonien, dem Raub von Kunst und den Praktiken der Sklaverei. Neue Bestrebungen sind gefragt.

Für jeden weißen Europäer, der durch eine große Anzahl von Fotos blättert, in denen schwarze Afrikaner auftauchen, ist es nur die dunklere Hautfarbe ihrer Gesichter und Körper, die überraschen können. Alles andere wird in sie hineingelesen: Wissen über sie und Bewunderung für sie. Sollten diese Fotografien bearbeitet, verändert oder erweitert werden und die Figuren nach den Vorstellungen des Künstlers in Collagen gekleidet werden, ist ihr dokumentarischer Wert verloren; aber das schafft Platz für persönliche Visionen, in denen die Figuren in einer Fülle von textilen Ornamenten gehüllt sind.

Die Personen, die uns Marion Boehm vorgestellt hat, leben oder leben noch heute in Paris: Musiker, Tänzer, Schriftsteller, Maler. In diesen Bildern ist die Tradition des afrikanischen Wachsdrucks, die im 19. Jahrhundert aus den Batikwerkstätten Balis eingeführt wurde und sich schnell über den gesamten Kontinent ausbreitete, eine blühende Industrie zwischen Europa und Afrika. Doch Marion Boehm übernimmt aus dieser Tradition nicht mehr als die Fülle an Farbe und Reichtum, so dass jedem unverwechselbaren Porträt ein ebenso unverwechselbares Kostüm verliehen wird. In ihrer visuellen Vorstellung wird das schwarze Paris zu einem Ort der Knospen und Blüten, der Ranken zu einer Liane, in der die Menschen an den Grenzen ihrer Träume leben.
© Prof. Dr. Wolfgang Becker

Marion Boehm

1964
geboren in Duisburg, Deutschland,
lebte in Italien, Frankreich und zog 2010 nach Südafrika

1990-1997
Studium und Diplom für Innenarchitektur an der FH Darmstadt
Schwerpunkt auf Design und Grafikdesign.

1998-2010
Innenarchitektur bei Thorer Interior Design, Frankfurt
Unabhängiger Innenarchitekt in Frankfurt, Cannes und Mailand

2011-2013
Community Ventre Arbeit bei Bolo's / Kliptown, Johannesburg
Foto- und Videodokumentation, grafische Interpretation in verschiedenen Techniken und Medien

2012
Übernahme des Portfolios für den Master-Studiengang an der Wits University, Fine Arts, Johannesburg

Seit 2012
Visual Artist mit mehreren Einzelausstellungen und Gruppenausstellungen
Lebt und arbeitet in Frankfurt und Johannesburg

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